
Hier ein Beispiel dafür, warum man ruhig mal das demokratische Werkzeug „Einwohnerfragestunde“ ausprobieren sollte: Ich war diese Hinweisgeberin „aus der Bevökerung“ und nur eine Woche später lese ich das hier in unserem Amtsblatt. Was für ein Tempo! Ich denke, da könnte man im Namen „der Bevölkerung“ mal Danke! sagen.
Zur Vorgeschichte: 2024 hatten wir Emmelshausener Grüne den an einen Lost Place erinnernden Brunnenplatz mal als Treffpunkt für unsere „Grünen Gehspräche“ ausgewählt. Unser damaliger Grüner Stadtrat Willy Hillingshäuser hatte seinerzeit veranlasst, dass an einem der Tische zwei Bretter erneuert wurden, sodass wir hier wenigstens gefahrlos Kaffeetrinken konnten:

Inzwischen hat sich der Zustand des Platzes aber noch weiter verschlechtert – nicht nur gammelt das Holz der Tische und Sitzschalen unaufhaltsam vor sich hin, sondern die Sitze hatten sich zum Teil inklusive ihrer Befestigungsplatten vom Unterbau gelöst – sofern man das unter den Bergen von Laub und Haselnüssen erkennen konnte:

Da dachte ich, warum nicht mal ein paar Fotos machen und beim Stadtrat nachfragen? Das Konzept „Einwohnerfragestunde“ funktioniert in Rheinland-Pfalz so: Einmal pro Quartal kann man bis spätestens 3 Werktage vor der Stadtratsitzung, in der diese Fragestunde stattfindet (wird im Amtsblatt angekündigt), Fragen an die Stadtverwaltung schicken. Zu Beginn der öffentlichen Sitzung trägt der/die Bürgermeister:in die Fragen vor, informiert über bereits getroffene Maßnahmen oder darüber, wie ansonsten weiter verfahren wird mit der Anfrage. Auch der Stadtrat diskutiert ggf. mit. Wer nicht mit diskutieren darf, sind die Zuhörer:innen, also auch der/die Fragesteller:in. Wahrscheinlich damit das Ganze (auch zeitlich) beherrschbar bleibt für den Stadtrat.
Nach der beeindruckend schnellen Umsetzung meiner Anfrage bin ich gleich mal zum Brunnenplatz gelaufen, um die Veränderungen zu inspizieren:


Eine der Sitzgruppen und einige Sitze auf der umlaufenden Mauer waren schon komplett renoviert!
Was man noch anmerken könnte zu diesem Platz: Er entstand ja vor gut 40 Jahren im Rahmen des Baugebietes Heilbrünnchen II im westlichen Teil von Emmelshausen. Bestimmt hatten die Planer:innen es gut gemeint mit diesem Stückchen öffentlichen Raum: Es gibt dort richtig viele Sitzgelegenheiten, ein paar Tische und sogar einen Brunnen, der aber leider nicht funktioniert. Kleine Zwischenmauern trennen die drei Bereiche voneinander, fast so ein bisschen wie in einem Biergarten oder Straßencafé.

Aber warum ist dieser Platz ein Lost Place geworden? Vielleicht weil ihn niemand (außer den Leuten, deren Grundstücke unmittelbar an den Platz grenzen) kennt? Bis vor zwei, drei Jahren wusste ich selbst auch nicht, dass es diesen Platz gibt. Oder weil ihn niemand findet? Er liegt wirklich sehr versteckt in diesem teils labyrinthisch konzipierten Wohngebiet. Offenbar gab es auch bereits Überlegungen von Seiten der Stadt, die Fläche zu verkaufen. Denn warum sollte die Stadt einen Platz unterhalten, den sowieso niemand nutzt?
Danach sieht es aber nach den jüngsten Renovierungsmaßnahmen erst mal nicht aus. Ich werde dort auch weiterhin hinspazieren, einen Kaffee trinken und darüber nachdenken, wieso man damals so einen komplett von Privatgrundstücken eingesäumten Platz gebaut hat, mit einem Angebot, das jede:r auch in seinem Garten hätte (ok, bis auf den Brunnen vielleicht, aber der funktioniert ja, wie gesagt, nicht mehr). Eigentlich macht so ein Stückchen öffentlicher Begegnungsraum doch nur an exponierteren Stellen Sinn – oder etwa in weniger privilegierten Wohngebieten, wo die Menschen quasi gezwungen sind, ihr Zuhause auch mal zu verlassen, wenn sie frische Luft brauchen und andere Leute treffen wollen.
Warum auch immer sich hier niemand aufhält – vielleicht finde ich noch heraus, was die Planer:innen sich damals bei diesem Konzept gedacht haben. Jetzt hoffe ich erst mal darauf, dass auch die restlichen Sitzgelegenheiten renoviert werden, dann werden wir uns bestimmt bald mal wieder mit den Emmelser Grünen dort treffen und diesen Lost Place ein wenig würdigen.
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